Psychotest
Welcher Lerntyp bist du?
Denk nicht lange nach, nimm einfach die Antwort, bei der du spontan denkst: „Ja. Das bin ich.“
Auswertung:
Lerntypen lassen sich nämlich gar nicht so sauber voneinander trennen.
Ich habe hier im Test einfach mal vier Typen: Hören, Sehen, Spüren und Reflektieren gegeneinander gestellt. „Spüren“ meinte dabei Körper- und Bewegungswahrnehmung und „Reflektieren“: überprüfen, vergleichen und verstehen. Du kannst allein, aber auch im Austausch mit anderen reflektieren.
Die bekannte Vorstellung von vier Lerntypen wurde im deutschsprachigen Raum vor allem durch Frederic Vester populär. Sein Modell unterschied auditives, visuelles, haptisches und intellektuelles Lernen. Schon diese Einteilung hatte allerdings einen Haken: Hören, Sehen und Fühlen beschreiben Wahrnehmungswege. „Intellektuell“ ist dagegen kein weiterer Wahrnehmungsweg, sondern beschreibt die geistige Verarbeitung einer Information. Vester stellt also drei Arten der Informationsaufnahme neben einen Prozess, der fürs Verstehen ohnehin nötig ist.
Problematisch kann es auch werden, wenn aus einer Vorliebe ein fester Lerntyp gemacht wird. Vorlieben beim Lernen kann es natürlich geben, aber sie müssen nicht starr sein. Sie können und dürfen sich je nach Aufgabe und Situation verändern. Statt Menschen direkt in feste Typen einzuteilen, wäre es doch besser zu schauen, was jemand in einer bestimmten Situation braucht und welche Strategie helfen könnte. Denn Lernen ist mehr als nur Wahrnehmen. Etwas zu hören, zu sehen oder körperlich zu spüren ist erst einmal nur ein Teil davon. Lernen passiert auch, wenn du Zusammenhänge herstellst, etwas erklärst, ausprobierst, anwendest, wieder abrufst oder überprüfst. Und solche Lernstrategien können wir verändern und erweitern.
Lerntypen und das Wissen darüber sind nicht das Geheimrezept, um aus dir einen Überflieger zu machen.
Denn leider gibt es keine überzeugenden Belege dafür, dass Menschen besser lernen, wenn der Unterricht an ihren diagnostizierten visuellen, auditiven oder kinästhetischen „Lerntyp“ angepasst wird. Du musst also nach der Auswertung des Tests nicht denken: „Ich bin ein visueller Lerntyp. Bitte nichts vorsingen.“
Dieser Test sollte dir einfach nur zeigen, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, zu lernen. Vielleicht sind dir beim Beantworten sogar noch andere eingefallen. Sei offen dafür, probier aus, was dir bei der jeweiligen Aufgabe hilft, und lass dich nicht auf einen vermeintlichen Lerntyp festlegen. Und vielleicht kannst du in Zukunft sogar schneller spüren, was bei dir wann am besten funktioniert und was nicht.
Denn auch Hermine kann eine Gryffindor sein und trotzdem verdammt viel Ravenclaw in sich haben.
Quellen:
Looß, M. (2019): Die erstaunliche Haltbarkeit einer unhaltbaren Theorie. Education Permanente, 1/2019, S. 15–18.
Tagalidou, N. & Vukelić, M. (2026): The Human Mind in Learning. Individualisierte Weiterbildung durch Neurowissenschaft und Psychologie. Fraunhofer Heilbronn Forschungs- und Innovationszentren HNFIZ / Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. DOI: 10.24406/publica-8523.
